Parabeln im Coaching

Parabeln

Sisyphus und die Hamster
Ein Hamsterchen, von seinem Besitzer Paulchen genannt, rannte im Laufrad und jammerte über sein Schicksal: „Jeden Tag diese Tretmühle! Die treibt einen um, dass man kaum nachkommen kann, und wenn man mal zu müde ist, rollt sie unter einem weg! Dann überschlägt man sich und muss sich hinterher die Wunden lecken!“

„Jammer nicht„, sagt das andere Hamsterchen, Max mit Namen. „Sisyphus erging es noch schlechter, der musste immer einen Stein einen Berg hinaufrollen, und dann rollte er wieder runter.

„Wie sinnlos„, sagte Paulchen. „Warum hörte er nicht auf damit?“
„Das ist eine Strafe der Götter!“, erwiderte Max.
„Das ist doch Quatsch – Strafe der Götter! Standen die etwa mit einem Maschinengewehr hinter ihm?“, empörte sich Paulchen.
„Nein, das nicht“, gab Max zu.
„Na also!“, sagte Paulchen. „Und warum hörte er nicht damit auf?“
„Vielleicht“, gab Max zu bedenken, „fand er das schön!“
„Das glaubst du doch wohl selber nicht!“, schnaufte Paulchen.
„Vielleicht wollte er nicht aufhören“, spann Max den Gedanken fort.
„Das ist doch noch bescheuerter!“ Paulchen war wieder empört.
„Na, dann glaubte er vielleicht, er könne nicht aufhören“, „erwiderte Max.
„Noch bescheuerter!“ Paulchen stöhnte.
„„Vielleicht war es ihm wichtig, den Willen der Götter zu befolgen.“ Max begann zu verzweifeln.
„Warum sollte ihm das wichtig sein?“ Paulchen ließ nicht locker.
„Herr Gott noch mal“, „stöhnte Max. „Vielleicht bedeutet Sisyphus zu sein halt Steine auf die Berge zu schleppen, die dann wieder runter fallen, was weiß denn ich?“
„„Das ist doch noch bescheuerter!“, schimpfte Paulchen.

„Du machst mich fertig mit deiner blöden Fragerei!“ schrie Max seinen Kumpanen an. „Vielleicht hat er das nur gemacht, weil er keine Lust hatte, über sein Leben nachzudenken.“
„Warum sollte er denn nicht über sein Leben nachdenken wollen?“, fragte Paulchen ungerührt weiter.
„Ja, warum wohl?“, fauchte Max. „Das „müsstest gerade du doch wissen!“
„Wieso müsste ich das wissen?“ fragte Paulchen verblüfft.

„Ja, du rennst doch auch andauernd im Kreis, was das Zeug hält.
Und du kannst nicht mal behaupten, das sei eine Strafe der Götter!“

Alexa Mohl: Alles Einbildung. Neue therapeutische und pädagogische Metaphern. Junfermann, Paderborn 2001

Die drei Siebe
Zum weisen Sokrates kam ein Mann gelaufen und war voller Aufregung.
“Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund …”
“Halt ein!” unterbrach ihn der Weise, “hast du das, was du mir sagen willst,
durch die drei Siebe gesiebt?”
“Drei Siebe?” fragte der andere voll Verwunderung.
“Ja, guter Freund, drei Siebe! Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast,
durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die WAHRHEIT.
Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?”
“Nein, ich hörte es erzählen und…”
“So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft.
Es ist das Sieb der GÜTE. Ist das, was du mir erzählen willst –
wenn es schon nicht wahr gewesen ist – so doch wenigstens gut?”
Zögernd sagte der andere: “Nein, das nicht, im Gegenteil…”
“Hm, hm!” unterbrach ihn der Weise. “So lass uns auch das dritte Sieb
noch anwenden und lass uns fragen,
ob es NOTWENDIG ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt!”
“Notwendig nun gerade nicht…”
“Also”, lächelte der Weise, “wenn das, was du mir erzählen willst
weder wahr noch gut noch notwendig ist,
so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!”

Perspektiven-Coaching

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